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Bild von Demo: Frankfurt, Antikriegstag 2012

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Dichtung und Wahrheit: Nicht alles was über Syrien berichtet wird hält einer Prüfung stand.

Eindrücke von einer Reise nach Syrien im April, vor den Angriffen der FSA. Postkartenbilder in den großen Städten, statt Tumult und Aufruhr .

Stationen eines Aufstands: Vom ländlichen Aufstand in Daraa zum Angriff der NATO-Söldner.



Medien


Krieg um Syrien Poster zur Entwicklung in Syrien
In einer kurzen Broschüre (hier als pdf und hier als epub) stellen wir die wichtigsten Entwicklungen und Wendepunkte in der Entwicklung Syriens seit 2001 dar. Und hier im Überblick als Poster

Ein Video , das die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Eine Diskussion, die auf jeden Fall ausgeweitet werden sollte.

Video:Hände weg von Syrien: Demonstration in Frankfurt, 01.09.2012

Ein Video von unserem letzten Aufenthalt in Syrien - im April 2012. Es gibt auch einen ganz normalen Alltag.

Eine Schweizerin besucht Freunde in Syrien. Sie war dort für 3 Wochen im Oktober 2011 reiste durch das Land und berichtet über ihre Erfahrungen.



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Fragen und Antworten, 26.04.2012

Wer, wann, wo?

Uhrturm von Aleppo, April 2012Ein Deutscher und eine Schweizerin sind im April 2012 für 2 Wochen nach Syrien gereist um einen Freund zu besuchen und einen Eindruck von der Situation zu erhalten.

H. spricht sehr gut arabisch, ich selbst verstehe das so einigermassen und kann auch ein bisschen sprechen. Beide waren wir schon mehrmals in Syrien.

H. hat im Landkreis Damaskus gewohnt, ich selbst überwiegend im Zentrum. Für 3 Tage waren wir auf einer Reise nach Aleppo.

Wie war euer Eindruck insgesamt?

Wie waren in den großen Städten, Aleppo und Damaskus, auf der Fahrt zwischen beiden Städten mit der normalen Busverbindung. In Damaskus war ich überwiegend im Zentrum, H. überwiegend in einem Vorort. Es war alles ruhig, es gab keine Demonstrationen, die Läden waren voll mit Waren. Außer am Freitagvormittag waren die Städte voller Passanten und Autos, wie wir es von früheren Besuchen kannten. An einem Tag war ich von Freunden in Deutschland darauf hingewiesen worden, dass eine "große" Demonstration in Damaskus statt gefunden hätte. Ich habe aber von einer irgendwie gearteten Demonstration an diesem Tag nichts bemerkt.

Zu der Zeit, als wir dort waren, hatte sich die Elektrizitätsversorgung einigermassen normalisiert. Aufgrund der Sanktionen war es aber zu massiven Preiserhöhungen gekommen. Dies und vor allem die bewaffneten Auseinandersetzungen und Überfälle, Bombenanschläge, der Druck durch das Ausland führten zu einer vermehrten Anspannung. Das Reisen im Land war nicht mehr problemlos wie früher möglich. Kontrollen behinderten gelegentlich den Verkehr.

Von Überfällen, Angriffen, Demonstrationen und Bomben hatten wir selbst in den zwei Wochen vor Ort nur 2 kleine Demonstrationen für Assad und eine Schießerei in einigen Kilometer Entfernung in der Nacht vor unserem Abflug erlebt.

Checkpoints, Kontrollen, Security

In Damaskus waren öffentliche Gebäude, Ministerien, Polizeistationen, militärische Einrichtungen etc. von bewaffneten Polizisten und Soldaten bewacht. An Einfahrten ins Stadtzentrum gab es Checkpoints, wo die Papiere überprüft wurden. Wir als Ausländer mussten unsere Papiere üblicherweise nicht vorweisen. Am Eingang zu Universität und Sprachinstitut wurden Zugangsbrechtigungen überprüft. Als Ausländer wurde ich ohne weiteres auch ohne Zugangsberechtigung durch die Kontrollen gelassen.

Außer am Freitag waren die Wachen vor den öffentlichen Gebäuden eher entspannt. Salopp gesagt: die meisten waren mehr damit beschäftig, ihre SMS zu lesen als zu bewachen.

Nach meinem Eindruck waren alle diese Wachen und Checkpoints defensiv eingestellt. Geschützt hinter Sandsäcken wurden öffentliche Gebäude und Verkehrswege bewacht.

In Aleppo, wo es keine Ministerien gibt, wüsste ich gar nicht zu sagen, ob wir eine bewachte Einrichtung gesehen haben. Dort gab es auch bei der Einfahrt in die Stadt keine Kontrollen.

Wen habt ihr in Syrien getroffen bzw. mit wem habt ihr gesprochen.

In erster Linie natürlich unseren Freund E., der uns auch herumgeführt und nach Aleppo begleitet hat und uns in jeder Hinsicht unterstützt hat. Er kommt aus einer Familie, die – genau wie er selbst - in sehr einfachen Verhältnissen lebt. Er arbeitet im Kultuministerium und studiert nebenher Journalistik.

Mit den Menschen, die wir schon vorher kannten oder jetzt kennen lernten, haben wir zum Teil sehr lange und intensive Gespräche geführt, zum Teile waren es nur ganz kurze Begegnungen. Meistens sprachen wir Arabisch, gelegentlich Englisch. In allen Fällen waren es Gespräche unter Freunden; nicht mehr und nicht weniger.

Gesprochen haben wir in dieser Zeit mit

  • 2 Lehrerinnen (Herkunft aus Latakia bzw. einem Dorf in der Nähe der libanesischen Grenze)
  • 2 Hotelmanagern(Aleppo und Damaskus)
  • Familienmitgliedern, insbesondere einem Bauarbeiter und einem Arbeiter in einer Glasfabrik, zur Zeit in der Armee (Landkreis Damaskus)
  • Befreundetem Taxifahrer
  • Mitarbeitern im Hotel (Herkunft aus Suweida)
  • Einer Künstlerin (Damaskus)
  • Einem Wohnungvermieter (Damaskus)
  • Einem Mitabeiter in einem Reisebüro(Damaskus)
  • Einer älteren Dame aus dem Umfeld eines Ministers
  • Ungezählten unbekannten Taxifahrern

Was haben euch eure Freunde und Bekannte gesagt?

Wir haben nicht beide mit allen und nicht mit allen über genau die gleichen Themen gesprochen. Aber zusammenfassend kann ich sagen, dass von allen, mit denen wir gesprochen haben, nur einer für den bewaffneten Umsturz war. Die meisten haben uns gesagt, dass die Situation dort, wo sie sie kennen, ruhig ist, dass die Medien übertreiben und/oder lügen.

Man hat allenfalls dem Verlust von Stabilität und Sicherheit nachgetrauert und weit über den Kreis hinaus, mit dem wir in dieser Weise persönlich gesprochen haben, wurden Themen wie die Korruption diskutiert.

Alle schienen sich einig in der Ablehnung der Sanktionen und sind gegen jede Einmischung von außen. Auch wer gegen das System ist will nicht, dass Syrien im Chaos versinkt.

Mein Eindruck ist, dass die meisten Menschen – wie überall – ihren Alltag leben wollten; manche haben Videos angesehen, viele haben Fussball geschaut. Besonders eindrücklich ist mir eine Fernsehsendung in Erinnerung: 20 junge Leute haben live im Fernsehen über die Zukunft Syriens diskutiert. Und im Hintergrund der Fernsehsendung und ausserhalb meines Zimmers hörte man die Jubelrufe Tausender Fussballanhänger.

Leider können nicht alle ihren Alltag leben wie gewünscht. Das Thema Reisen wurde schon angesprochen. Viele Menschen haben Angst davor, zu verreisen. Zwar sind – wie wir es erlebt hatten – die Stecken sicher; aber Ungewissheit und Angst vor Überfällen bleibt. Und in manchen Gebieten werden Menschen umgebracht wegen ihrer Religion, d.h. Alawiten werden von Extremisten umgebracht. Nach unserer Abreise erhielten wir die Nachricht, dass der Bruder einer alten Bekannten von E. in der Nähe von Homs gekidnappt und auf brutalste Weise umgebracht wurde. Das ist leider nicht der erste Fall aus dem privaten Umfeld, von dem ich so etwas höre. Davor haben die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, Angst. Und davor schützt sie die Armee.

Zitate

"Es geht nicht um Probleme Syriens. Syrien ist hier zum Spielball der Großmächte geworden."

"Als ich aus meinem Dorf zur Arbeit nach Damaskus wollte, wurde ich mit Waffengewalt daran gehindert: 'Wenn du fährst, bist du tot…'"

" In meinem Dorf sind plötzlich unbekannte Bewaffnete aufgetaucht. Ich hatte sie zuvor noch nie gesehen…"

"Was ich an Assad schätze, ist, dass er in Europa ausgebildet ist"

"Wir vermissen die Stabilität und Sicherheit, die es früher gab"

"Ich war selbst in Daraa im Einsatz. Die Armee hatte keinen Schießbefehl…"

"Was auf Al-Jazeera usw. berichtet wird, ist in den meisten Fällen nicht wahr."