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Bild von Demo: Frankfurt, Antikriegstag 2012

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Krieg um Syrien Poster zur Entwicklung in Syrien
In einer kurzen Broschüre (hier als pdf und hier als epub) stellen wir die wichtigsten Entwicklungen und Wendepunkte in der Entwicklung Syriens seit 2001 dar. Und hier im Überblick als Poster

Ein Video , das die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Eine Diskussion, die auf jeden Fall ausgeweitet werden sollte.

Video:Hände weg von Syrien: Demonstration in Frankfurt, 01.09.2012

Ein Video von unserem letzten Aufenthalt in Syrien - im April 2012. Es gibt auch einen ganz normalen Alltag.

Eine Schweizerin besucht Freunde in Syrien. Sie war dort für 3 Wochen im Oktober 2011 reiste durch das Land und berichtet über ihre Erfahrungen.



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Palmyra, 05.04.2016

Relief aus Palmyra, 2007Palmyra liegt im geografischen Zentrum Syriens, eine Oase in der Wüste. Als Handelsstation an der Seidenstraße hatte Palmyra immer Bedeutung. Zu wirtschaftlicher Blüte und politischer Macht gelangte es im 3. Jahrhundert n.Chr. innerhalb weniger Jahre unter der Herrschaft der Königin Zenobia. Diese Königin ist eine der bekanntesten Frauengestalten der Antike - und Palmyra und seine antiken Ruinen sind eines der bedeutendsten nationalen Symbole des modernen Syrien und seiner Geschichte.

Die wichtigsten Schätze Palmyras wurden lange vor IS von den Kolonialmächten geraubt und befinden sich in den Museen von London, Paris und Berlin, nur ein Teil verblieb in Syrischen Museen. Mitte Mai 2015 wurde Palmyra überfallen.

Die USA, die damals schon monatelang Ziele in Syrien bombardiert hatten – "um IS zu schwächen", behinderten den Angriff nicht. Es gab heftige Straßenkämpfe zwischen der Armee und IS, die sich über Tage hinzogen. Nachdem einem großen Teil der Einwohner die Flucht in sicheres Gebiet ermöglicht war, musste die Armee am 20. Juni weichen. "Es ist eine Schande, dass die Internationale Gemeinschaft tatenlos zusah, wie der IS Palmyra eroberte", schrieb eine syrische Zeitung damals.

Zur gleichen Zeit als der IS Palmyra angriff, besetzte er Hunderte Kilometer entfernt auch die Irakische Stadt Ramadi. Der IS war ausgerüstet mit modernsten Waffen, die ihm im Jahr zuvor beim Vormarsch im Irak in die Hände gefallen waren und war auf dem Höhepunkt seiner militärischen Macht. Die syrische Armee dagegen war durch den jahrelangen Krieg geschwächt und musste sich darauf konzentrieren, die Bevölkerungszentren im Westen des Landes zu schützen. An eine Offensive gegen IS war damals nicht zu denken.

Totenturm, Palmyra 2007Mit dem Beginn der der russischen Luftangriffe im September 2015 hat sich die militärische Situation grundlegend geändert. Moderne Waffen, Überwachung mit Drohnen und gezielte Angriffe auf Führungsstrukturen und Logistik (und nicht zuletzt auf die Öltransporte) haben IS, al-Nusra und ihre Verbündeten geschwächt. Die enge Zusammenarbeit mit der syrischen Armee brachte Ergebnisse. Russische Flugzeuge zerstörten Bunker und schwere Waffen und verhinderten die Ankunft von Verstärkung des IS aus al-Raqqa und Deir ez-Zor. Die Zusammenarbeit kulminierte in der Befreiung Palmyras. Russische Spezialisten werden dabei helfen, die Sprengsätze und Minen zu entschärfen, die IS angebracht hat.

Neben der symbolischen Bedeutung Palmyras als Wahrzeichen Syriens hat dieser Erfolg eine ganz praktische Bedeutung. Die Stadt liegt an der Kreuzung von Fernstraßen, die Damaskus und Homs mit Deir ez-Zor und Hasaka verbinden. Der IS verlor hier die Kontrolle und ist in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt; für die syrische Armee wird der Weg geebnet, eine Verbindung mit Deir ez-Zor herzustellen.

Louay Hussein, der ehemalige Vorsitzende der oppositionellen Gruppe „Den Staat aufbauen“ nennt den Erfolg der Armee auf Facebook einen "Sieg über die Opposition, obwohl sie am Kampf nicht beteiligt war".

Qadri Jamil dagegen begrüßt den Erfolg der Armee in Palmyra. Jamil ist Vertreter der sogenannten "Moskauer" Opposition und betont, dieser Sieg habe nicht nur eine militärische, sondern auch eine geistige und symbolische Bedeutung.

Und er hat eine politische Bedeutung. Die russischen Luftangriffe in Syrien haben ein klares Zeichen gesetzt: die Staaten, die den Krieg gegen Syrien betreiben, werden keinen militärischen Erfolg erreichen. Diese Erkenntnis hat die Verhandlungen in Wien und Genf und den Waffenstillstand erst möglich gemacht.

Seit Jahren gibt es in Syrien schwierige Verhandlungen um lokale Waffenstillstände und Versöhnungsinitiativen. Dies begann eigentlich schon im Juli 2011 mit den Verhandlungen zwischen militanten Demonstranten in Hama und dem damals neuen Gouverneur (er wurde später ermordet)

Ali Haidar, der heutige Minister für Versöhnung und Quadri Jamil unternahmen schon früh Versuche, in Verhandlungen auf lokaler Ebene zu Vereinbarungen zu kommen. Eine Politik, die heute vom Staat gefördert wird; Karin Leukefeld berichtet ausführlich darüber.

Solche Verhandlungen werden immer wieder behindert und unterbrochen und es gibt Versuche, sie zum Scheitern zu bringen. Der Waffenstillstand und zugleich die militärischen Erfolge gegen IS, der von jedem Waffenstillstand ausgeschlossen ist, fördern diese Initiativen. So wie jetzt in Hama, wo in 100 Gemeinden Vereinbarungen zwischen Stämmen, religiösen und staatlichen Würdenträgern zur Beilegung von Konflikten abgeschlossen werden.

Nach der Vertreibung des IS aus Palmyra schrieb die syrische Zeitung al-Watan: "Die syrische Armee bringt in einem der bedeutendsten Erfolge des Krieges das Licht zurück nach Palmyra."